Weißenbach: DAS DORF DER VIELEN ORTSTAFELN (Fr. 18.06.2021)

Weißenbach hat – wie kaum eine andere Ortschaft im Außerfern – auffallend viele Ortstafeln. Nicht nur alle Abfahrten an der Lechtalstraße B198 verweisen umgehend auf das Ortsgebiet, sondern auch sämtliche Feldwege sind mit dem Hinweis versehen, dass man das Ortsgebiet von Weißenbach betritt oder verlässt.

Wie kommt das? Langzeitbürgermeister Hans Dreier zu pressefoto-reutte: „Wir haben an die siebenundzwanzig Ortstafeln aufgestellt – auf allen Landesstraßen und Gemeindewegen.“ Warum das nötig ist, erklärt er so: „Vor vielen Jahren wollten wir die Verkehrsbeschränkung im Ort auf dreißig km/h einführen. Dazu war ein Verkehrsgutachten seitens des Kuratoriums für Verkehrssicherheit erforderlich. Dieses ergab, dass an allen Ortsein- und ausfahrten eine Tafel mit dem dreißiger Hinweis anzubringen ist, und dazu eben auch die Ortstafeln „Weißenbach am Lech“, die das Ortsgebiet definieren“.

Um etwa 2010 geschah das alles, seitdem ist Weißenbach – wie wohl kein anderer Ort im Bezirk Reutte – so ausführlich beschildert. Dass sogar Feldwege damit beglückt werden müssen, sieht Bgm. Dreier schon eher als einen kleinen „Schild“-Bürgerstreich – im wahrsten Sinne des Wortes. Da so viele Ortstafeln im Bereich von Wiesen angebracht sind, kommt es dort naturgemäß auch zu Beschädigungen – zB durch landwirtschaftliche Fahrzeuge im Arbeitseifer. Eine Anekdote erzählt Bgm. Hans Dreier: „Bei einer Wiese war die Ortstafel – die leider alle etwas zu niedrig angebracht sind – immer wieder komplett verdreht. Wir dachten schon, dass es sich um eine Art Vandalenakt handle. Aber es stellte sich heraus, dass eine Kuh die Kante der Tafel immer wieder für eine „Rückenmassage“ verwendete. Beim Vorbeigehen nutzte sie die Tafel stets, um sich den Rücken zu kratzen – und dabei wurde diese immer wieder verdreht.“

Handlungsbedarf bzgl. Ortsschilder sieht Bgm. Dreier noch beim Gewerbegebiet am Kreisverkehr und weiter die Lechtalstraße aufwärts als wir darauf hinweisen, dass dort keine Ortsschilder stehen „Da werden wir doch glatt was machen müssen“, so der Langzeitbürgermeister lachend.

Weniger zum Lachen ist ihm beim Gedanken an die Lechtalstraße B198, die einstige Umfahrung von Weißenbach, die nun praktisch den Ort durchschneidet. Seit Jahren wird um einen Temporeduzierungshinweis für diese Straße im Ortsbereich von Weißenbach gerungen. Von Seiten der Gemeinde möchte man dort aus Sicherheitsgründen gerne eine 50iger-Beschränkung haben – doch das ist aussichtslos, so Bgm. Dreier: „Siebzig ist das Äußerste was man uns da zugesteht, da ist wohl nichts zu machen.“

Neben Weißenbach hat im Außerfern seit etwa fünf Jahren noch Elbigenalp auf seinen Gemeindestraßen eine generelle 30iger Beschränkung. „Wir haben aber nicht so viele Ortstafeln wie Weißenbach“, ist aus der Gemeindestube Elbigenalp zu vernehmen. Ansonsten sind in Reutte, Breitenwang und Vils 40iger Beschränkungen im Ortsgebiet angeordnet. Holzgau möchte heuer noch die generelle innerörtliche 30iger Beschränkung erhalten. Lermoos hat auch seit etwa 5 Jahren eine 30iger Beschränkung, diese werden jedoch mit „Zonenschildern“ ausgewiesen. „Wir haben unsere Ortsschilder nur an den drei Hauptstraßen“, so die Auskunft aus Lermoos. Die meisten anderen Orte im Außerfern haben keine diesbezüglich individuellen Einschränkungen des innerörtlichen Verkehrs, dort gilt die allgemeine 50 km/h Beschränkung für das Ortsgebiet und eben ausgewiesene 30iger Hinweistafeln in gewissen Zonen.

So bleibt Weißenbach mit seinen rd. 1.300 Einwohnern wohl der unumstrittene Sieger in der Klasse „Wer hat die meisten Ortsschilder?“.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

Ihre eMail wird nicht veröffentlicht.