Pressefoto-Reutte hat sich seit der Gründung im April 2020 einen gewissen Namen im Bereich der News-Berichterstattung gemacht, so dass sich immer öfters Menschen mit ihren Anliegen – etwas an die Öffentlichkeit zu bringen – an uns wenden. So auch eine junge Frau aus Reutte, die sich durch die Art und Weise der „Behandlung“ im Eingangsbereich des Bezirkskrankenhauses Reutte, also bei der Einlass-Kontrollstelle (sogenannte „Triage“), sehr herabgewürdigt fühlte und sich deshalb an pressefoto-reutte gewandt hatte.
Wir haben daraufhin unsererseits bei den Verantwortlichen des Krankenhauses Reutte nachgefragt und wollen darüber nun berichten. Was war geschehen?
Eine junge Frau aus Reutte (25 Jahre, Name der Redaktion bekannt), erhielt am 14. Oktober um 16:11 Uhr vom BKH-Reutte den Anruf, dass ein guter Freund von ihr (57, aus Deutschland stammend und seit einigen Jahren in Reutte lebend) im Sterben läge und sie doch bitte kommen solle. Sie fuhr umgehend mit ihrem Freund ins BKH.
An der Kontrollstelle im Eingangsbereich wurde sie vom dort diensttuenden Herrn nach dem 3-G-Status gefragt und auch angewiesen, eine FFP-Maske zu tragen, da dies Vorschrift sei. „Wir schilderten ihm den Fall und meinten, dass wir bitte sofort rauf müssen, da ein geliebter Mensch von uns im Sterben liegt. Er teilte uns mit, dass er uns nicht reinlassen könne, da wir nicht getestet seien. Wir fragten ihn, ob dass noch eine Rolle spielt wenn ein Mensch im Sterben liegt. Er beharrte auf sein Recht.“
Es ergab ein Wort das andere und die Situation schaukelte sich entsprechend hoch. Der Hinweis der Frau, sie habe ärztlicherseits eine Maskenbefreiung, wurde nicht anerkannt. „Das war ihm komplett egal. Das wurde förmlich ignoriert und er sagte nur ‚Ja wir MÜSSEN eine FFP2-Maske tragen‘“.
Zu diesem Teil des Vorfalles hat uns der ärztliche Leiter des BKH-Reutte, Primar Dr. Eugen Ladner mitgeteilt: „Es gibt ganz klare Hygienerichtlinien nach Bundesvorgaben. Diese sind zum Schutz des Krankenhauspersonals und der Patienten. Wenn es eine Maskenbefreiung gibt, dann muss getestet werden.“
Jedenfalls steigerte sich die Diskussion im Triagebereich, führte zu Polizeidrohungen auf beiden Seiten und endete vorläufig damit, dass der verantwortliche Mitarbeiter den beiden ungetesteten Besuchern von sich aus die Möglichkeit anbot, sich doch im Hause auf der „Infektambulanz“ testen zu lassen, was sie auch annahmen (alternativ hätten sie auswärts zu einer Teststation gehen müssen). „Wir warteten sicherlich 20 Minuten auf das Testergebnis. Ich wiederhole: Unser Freund, ein geliebter Mensch lag im Sterben und wir warteten sinnlos 20 Minuten auf ein Testergebnis!“, so die verbitterte Aussage der jungen Frau. „Als das Ergebnis (negativ) vorlag, und wir endlich rein durften, fuhren wir sofort in den 4. Stock.“
Aber sie kamen zu spät, der Freund war bereits verstorben. „Das heißt, er starb in der Zeit, als wir auf unser Testergebnis warteten. Wir konnten nicht einmal mehr seine Hand halten. Er war ganz alleine. “Für die junge Frau und ihren Begleiter ist dieser Umstand, dass sie einem Menschen, der im Sterben liegt, wegen einer möglichen ‚Ansteckungsgefahr‘ in den letzten Momenten dessen Lebens nicht beistehen dürfen, nicht nachvollziehbar. „Uns wurde bei der Triage gesagt, dass unser Freund ja nicht alleine im Zimmer wäre, und diese anderen Menschen könnten durch uns angesteckt werden“, so die junge Frau den Tränen nahe zu pressefoto-Reutte. „Aber das stimmte gar nicht, er lag alleine in einem Zimmer zum Sterben.“
Dazu Primar Dr. Ladner: „Ein Mitarbeiter an der Triage kann gar nicht wissen, wie viele Patienten in einem bestimmten Zimmer sind.“ Und er weist ausdrücklich darauf hin, dass es nicht darum geht, ob jemand im ‚Sterbezimmer‘ angesteckt werden könnte, sondern, dass vom Besucher auf dem Weg vom Eingangsbereich bis zum gewünschten Zimmer zahlreiche Mitarbeiter und Patienten angetroffen werden können, und diese gelte es zu schützen. „Ich wiederhole: Unsere Aufgabe ist es, Mitarbeiter und Patienten zu schützen!“, so der Primar mit Entschiedenheit. „Der Mitarbeiter an der Triage hat alles richtig gemacht! Die zur Triage eingeteilten Personen müssen sich ohnehin sehr viel gefallen lassen.“ Primar Dr. Eugen Ladner weiß natürlich auch, dass in den aktuellen Zeiten vermehrt emotionale Situationen speziell im Eingangsbereich – wegen der unvermeidlichen Kontrollen – leider vorkommen können. „Jeder der in ein Krankenhaus geht, hat eine gewisse Ausnahmesituation. Meine große Bitte ist, gegenseitig entsprechenden Respekt aufzubringen.“
Wenn der Zeitraum im Triagebereich die junge Frau sehr durcheinander gebracht hatte, so äußert sie sich aber sehr löblich und dankbar gegenüber dem Stationspersonal, wo ihr verstorbener Freund bis zum Schluss gepflegt wurde. „Die Krankenschwester war an diesem Tag einer der kompetentesten Menschen, die ich in diesem Haus gefunden hatte. Sie war mitfühlend und einfühlsam. Ich war froh, dass ich diesen Menschen an diesem Tag an meiner Seite hatte. Sie tröstete mich mit ein paar lieben Worten. Wir warteten dann noch eine Zeit bis jemand vom Palliativteam kam und mit uns redete.“
Dazu abschließend Primar Dr. Ladner, der diesen Fall natürlich genaustens recherchiert hat: „Den zuständigen Stationsmitarbeitern geht dieser Fall sehr nahe. Sie haben sich mit größter Sorgfalt um diesen Patienten gekümmert. Ich weiß ganz genau, wir haben insgesamt nichts falsch gemacht!“
++UPDATE / ERGÄNZUNG++
Um nicht ungewollt einen falschen Eindruck zu erzeugen soll angemerkt sein, dass lt. BKH-Richtlinie ANGEHÖRIGE bei einem Sterbefall an der Triage von einem/-r Stationsmitarbeiter/-in abgeholt werden, um diesem/-r einen möglichst unkomplizierten und raschen Zugang zum verwandten Patienten zu ermöglichen. Da die hier besagte Dame keine tatsächliche Angehörige, sondern eine Bekannte/Freundin war, kam diese Richtlinie nicht zur Anwendung. + Update Ende +
Auf der Webseite des Krankenhauses Reutte sind die aktuell geltenden Zutrittsregeln aufgelistet https://www.bkh-reutte.at/. Ebenso steht dies unübersehbar vor dem Haupteingang auf einem Plakat zu lesen.



Hinterlasse jetzt einen Kommentar